Boxen

Box-Meisterschaft kommt nach Leipheim

Die besten Boxer Deutschlands werden sich heuer im Landkreis Günzburg messen. Wie sich Leipheim gegen seine Mitbewerber durchgesetzt hat und was schon über den Ablauf bekannt ist.

Die Deutschen Meisterschaften im Boxen wurden zuletzt in namhaften Großstädten wie Heidelberg, Rostock, Schwerin, Halle an der Saale oder Saarbrücken ausgetragen. Ab Dezember darf sich auch das gut 7000 Einwohner zählende Leipheim im Landkreis Günzburg in diese Liste einreihen. Wie die Stadt unserer Redaktion exklusiv bestätigt, hat Leipheim die entsprechende Zusage erhalten. Über mehrere Tage hinweg sollen sich dort Ende des Jahres die bundesweit besten Faustkämpferinnen und -kämpfer messen, die Wettkämpfe dürften Fans aus ganz Süddeutschland anziehen. Die Sparte Boxen des VfL ist darüber außer sich vor Freude. Und auch Nicole Schneider, Pressesprecherin der Stadt, ist sich sicher: „Das ist wirklich eine große Sache für Leipheim.“

Die Nachricht ist erst wenige Tage alt. Ende vergangener Woche sei die Bestätigung des Deutschen Boxsport-Verbandes eingegangen, berichtet Schneider. Die Wettkämpfe tragen offiziell den Titel „Deutsche Meisterschaften der Elite“. Konkret handelt es sich um „olympisches Boxen“, das sich vom sogenannten Profiboxen, wie es im Fernsehen oft zu sehen ist, unterscheidet. Bei der olympischen Variante, die bisweilen auch als „Amateurboxen“ bezeichnet wird, gehen die Kämpfe zum Beispiel über drei statt bis zu zwölf Runden im Profibereich. In Letzterem fließt außerdem deutlich mehr Geld. Man denke nur an Stars wie Mike Tyson, der im Ring Millionen verdiente.

Für die Deutschen Meisterschaften, wie sie heuer in Leipheim ausgetragen werden, qualifizieren sich nur die bundesweit größten Talente ab einem Alter von 18 Jahren. In der Regel schicken die Landesverbände jene Faustkämpfer, die ihr Können schon als Landesmeister unter Beweis gestellt haben. Die Ausscheidungskämpfe für jüngere Sportler, etwa in der Klasse U18 oder U17, finden schon früher im Jahr und in jeweils anderen Städten statt: Köln zum Beispiel, oder Bremerhaven.

Die Idee, sich zu bewerben, stammte – wie könnte es anders sein – von Robert Roh, Leiter der Sparte Boxen beim VfL und als solcher eine Institution auch über die Region hinaus. „Wir wollten eigentlich wieder den Güssen-Cup veranstalten“, erinnert sich der 46-Jährige. Besagtes Turnier organisiert der Verein seit Jahren, mitunter auch schon im Freien. Doch dann sei er, Roh, auf die Ausschreibung zur Deutschen Meisterschaft gestoßen, die der bayerische Landesverband verschickt hatte. Binnen weniger Tage erstellten der Trainer und eine Gruppe von Mitstreitern ein Konzept, da die Abgabefrist abzulaufen drohte. Neben Roh waren auch Eugen Gaplikow, Vorstandsmitglied in der Box-Sparte, Walter Oberdorfer, Vorsitzender des Gesamtvereins, und eben Pressesprecherin Schneider in die Arbeit an der Bewerbung eingebunden.

Wer sich als Austragungsort für die Deutsche Meisterschaft bewirbt, muss schon im Voraus eine Reihe wichtiger Fragen geklärt haben, erklärt Schneider. „Es geht darum, ob man überhaupt die Infrastruktur für so ein Event hat.“ Gibt es zum Beispiel genügend Betten für die Sportlerinnen und Sportler, für Kampfrichter, ja auch für die Zuschauenden? Trainer Roh rechnet mit mehr als 100 Kämpferinnen und Kämpfern, die in bis zu zehn Gewichtsklassen gegeneinander antreten könnten. Sie sollen während der Meisterschaften in zwei größeren Hotels in Günzburg und Langenau untergebracht werden, die Punktrichter wiederum werden demnach in Leipheim nächtigen.

Von links: Eugen Gaplikow, Robert Roh und Walter Oberdorfer vom Leipheimer VfL freuen sich, das Leipheim den Zuschlag für die Deutsche Meisterschaft im olympischen Boxen erhalten hat. (Foto: Alexander Kaya) ,

Der Abteilungsleiter und seine Mitstreiter mussten überdies klären, ob die Güssenhalle, in der die Boxkämpfe stattfinden werden, überhaupt für knapp eine Woche zur Verfügung steht. So lange wird die Halle nämlich inklusive Auf- und Abbauarbeiten belegt sein, schätzt der Trainer. Die Meisterschaften finden von Dienstag, 8., bis Samstag, 12. Dezember, statt. Jeden Tag werden nach derzeitigem Planungsstand mehrere Blöcke mit Kämpfen ausgetragen. Und noch viele weitere Punkte mussten VfL und Stadt in ihrer Bewerbung darlegen: Was wird man den Besucherinnen und Besuchern in Leipheim abseits des Sports bieten können?

Dass sich just das schwäbische Städtchen Leipheim gegen alle Konkurrenten durchsetzen konnte, hat nach Ansicht von VfL-Chef Oberdorfer vor allem einen Grund: „Das Renommé unserer Abteilung im Boxverband ist hervorragend.“ Vor allem im Aufbau von jungen Nachwuchsboxerinnen und -boxern habe die Sparte unter ihrem Leiter Robert Roh weit über die Region hinaus einen guten Ruf, lobt Oberdorfer die Arbeit seines Vereinskollegen. Die Hälfte der Boxerinnen und Boxer, die regelmäßig auf das Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts zum Training kommen, seien Jugendliche und Kinder.

Dass sich derzeit jemand aus den eigenen Reihen für die Wettkämpfe zuhause qualifizieren wird, hält Roh für sehr unwahrscheinlich. Der 46-Jährige dürfte durchaus in der Lage sein, das einzuschätzen: 2004 schaffte er einst im Mittelgewicht bis zu den süddeutschen Meisterschaften. Dennoch rechnet der Abteilungsleiter fest mit „seinen“ Boxern, um das Groß-Event im Dezember zu stemmen. Ihm zufolge zählt die Sparte mehr als 100 Mitglieder. Roh ist sich sicher: „Wir haben hier ein verrücktes Team, das diese Ideen mitträgt.“ VfL-Delegierter Gaplikow ergänzt: „Natürlich, das wird anspruchsvoll und anstrengend. Aber so eine Aussicht auf was Cooles, das zündet einfach.“

Vor allem zu den Endkämpfen, die für Freitag und Samstag, 11./12. Dezember, eingeplant sind, rechnen die Verantwortlichen mit vielen Zuschauerinnen und Zuschauern. „Die Finals und Halbfinals werden sicher sehr gut besucht“, sagt Abteilungsleiter Roh. Schon bei den Abendkämpfen des Güssen-Cups seien zuletzt um die 500 Menschen gekommen. Ihm zufolge dürften im Dezember viele Box-Fans aus Bayern, aber auch solche aus Baden-Württemberg in den Landkreis pilgern. Rathausmitarbeiterin Schneider wirbt dafür, dass dann auch Nicht-Box-Fans dieser Sportart eine Chance geben. „Das ist eine gute Veranstaltung, um Boxen auf höchstem Niveau kennenzulernen.“

Text von Phillipp Nazareth, erschienen Mittwoch 15. April 2026 in der Günzburger Zeitung (Nr. 86) 

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